Das kleine Pferde einmaleins der
Pferdefreunde Landshuter Hochzeit
Bei der Landshuter Hochzeit wird eine große Zahl von Pferden eingesetzt. Bei der Gruppe der Pferdefreunde kommen hauptsächlich Warm- und Kaltblutpferde als zum Einsatz. Für die Auswahl als Reitpferd oder als Gespannpferd vor den vielen historischen Wagen ist sehr wichtig, dass die Pferde über einen sehr ausgeglichenen Charakter verfügen und für die Aufgaben bei der Landshuter Hochzeit gut vorbereitet sind.
Zur Zeit werden folgende Rassen beider Landshuter Hochzeit eingesetzt:
Percheron
Der elegante Percheron, zählt zu den beliebtesten Kaltblutrassen. Das Ursprungsgebiet des Percheron ist die südwestlich von Paris gelegene Region Perche in der Normandie.
Percheron-Vorfahren haben schon die Ritter von Kart Martell getragen. Im Mittelalter wurden sie dann als Ritterpferd oft erwähnt.
Das Percheron-Kaltblut verfügt über einen sehr harmonischen und freundlichen Charakter. Seine Kaltblutherkunft verleiht ihm große Nervenstärke, weswegen es sich sehr gut für Festumzüge (z.B. Oktoberfest) eignet. Die Besonderheit dieser Rasse besteht darin, dass es auch über ein feuriges Temperament verfügt, was sich auf die Araber- und Berberanteile in seinem Blut zurückführen lässt.
Angeblich sollen schon im 8. Jahrhundert Einkreuzungen von orientalischen Pferden, in späterer Folge auch von Andalusiern erfolgt sein. Dadurch entwickelten sich verschiedene Zuchtlinien, die sich sehr von einander unterschieden. Selbst die schwersten Percherons (diese werden auch heute noch gezüchtet) besitzen freie, ausdrucksvolle Gangarten, welche sie zu äußerst beliebten und beeindruckenden Arbeitspferden machten
Percherons sind zugkräftig und arbeitswillig. Sie sind zwar lebhaft, aber doch gehorsam. Sie sind umgänglich und leicht zu handhaben. Selbst wenn es um große Zuglasten geht, sind sie geduldig und ausdauernd. Sie werden als Zugpferd und zum veredeln anderer Rassen genutzt.
Der stärkste Hengst der Welt war der Percheron Dr Le Gear. Er hatte ein Stockmass von 213cm und wog 1372 kg.
Allgemein erreichen Percherons ein Stockmaß zwischen 158 und 172 cm, bei einem Gewicht von rund 900 kg.
Die Rasse kommt ausschließlich in den Farben weiß und grau (Apfelschimmel) sowie schwarz vor.
Das Langhaar ist üppig, der Fesselbehang ist zwar dicht, aber nicht zu lang.
Belgisches Kaltblut
Bereits zu Julius Caesars Zeit genoss das Belgische Kaltblut einen Ruf für Vielseitigkeit und Stärke. Richard Löwenherz importierte viele dieser Pferde nach England. Nach dem Verfall der Ritterzeit bekam auch das Belgische Kaltblut ein landwirtschaftliches Arbeitstier. Das Belgische Kaltblut hat die Zuchtlinien der Shire, Clydesdale und Suffolk Punch stark beeinflusst. Es ist eines der größten Kaltblüter mit 1,62 bis über 1,82 m. Das Durchschnitts-Gewicht liegt bei 900 - 1000 kg, Hengste erreichen oft 1200 kg. Das erste Exemplar dieser Rasse wurde 1866 nach Illinois, USA exportiert und genießt nun den Ruf den populärsten Kaltblüters in den Staaten.
Noriker
Diese alte Pferderasse geht auf das römische Legionspferd in der Provinz Noricum zurück, die in etwa dem heutigen Staatsgebiet Österreich entsprach. Im Mittelalter war der Noriker ein begehrtes Ritterpferd. Er wird schon seit 400 Jahren in strenger Reinzucht und harter Selektion gehalten. 1574 wurden von Erzbischof Kuen die ersten Landbeschäler in den Pinzgau geschickt. 1688 traf Erzbischof Graf Thun umfangreiche Vorgaben, die die Norikerzucht stark beeinflussten.
Da der Noriker lange Zeit im Gebirge gezogen wurde, hat er sich wie kaum ein anderer Kaltblüter dem steilen Gelände angepasst. Aus diesem Grunde ist er in Mittel- und Südeuropa immer noch gefragt, wobei die Nachfrage sogar eine steigende Tendenz aufweist. In Deutschland wird der Noriker seit 1952 auch Süddeutsches Kaltblut genannt. Es gibt gegenwärtig ca. 9000 Noriker, davon sind 2700 als Hauptstammbuchstuten bei den einzelnen Zuchtverbänden eingetragen. Noriker werden als einzige Kaltblutrasse noch in einem geschlossenen Zuchtgebiet in rein bäuerlicher Landeszucht erhalten
Friesen
Das Mittelalter war eine Blütezeit für den Friesen. Durch seine kräftige, aber nicht zu große Statur war er als „Ritterpferd” (Streitross) prädestiniert.
Man darf nicht vergessen, dass ein Ritter mit Rüstung um die 250 kg gewogen hat!!
Außerdem wollte der Ritter mit seinem Ross ja auch repräsentieren. Das Friesenpferd wurde im 13. Jahrhundert auch in Deutschland auf den Märkten gehandelt. Dies ist in alten Schriften überliefert. Gezüchtet wurde der Friese zu dieser Zeit hauptsächlich von Mönchen. Da Friesland zu dieser Zeit zum Bistum Münster gehörte, war es nicht verwunderlich, dass diese Pferde auch in Deutschland verkauft wurden.
Im Mittelalter fand wahrscheinlich auch die erste Veredelung der Rasse statt. Zum einen wurden von den vielen Kreuzzügen etliche Pferde aus dem Mittelmeerraum mitgebracht, zum anderen darf man nicht außer Acht lassen, dass die Spanier die Niederlande während des 80-jährigen Krieges von 1568 bis 1648 besetzt hielten und ihre Spanischen Hengste mitbrachten. Da Spanien seinerseits im 8. Jahrhundert von den Mauren besetzt war, führten die Spanischen Hengste auch viel orientalisches Blut.
Der edle Kopf mit den ausdrucksstarken Augen und die erhabenen Bewegungen zeugen von der Einkreuzung der Spanischen Pferde.
Der Friese wurde jedoch nicht nur als Streitross eingesetzt, durch seine schwarze Farbe war er auch als „königliches Geschenk” auf den Fürstenhöfen in ganz Europa hochwillkommen. Im 16. Jahrhundert kam es an den Fürstenhäusern in Mode, edle Pferde zu züchten. Hier spielte auch das spanische Pferd eine große Rolle. Da es bei der Kriegführung nichts Neues gab, obwohl schon seit längerer Zeit das Schießpulver erfunden war, wurde der Friese auch weiterhin als Streitross eingesetzt.
Bayerisches Warmblut
Diese Rasse stammt aus dem Rottaler Pferd, eine sehr alte Rasse. Dieses Tal ist für die Vorzüglichkeit seines Bodens und für seine prächtigen Pferde wohlbekannt. Während der Epoche der Kreuzzüge war das Rottaler Pferd für militärische Zwecke hoch angesehen .Unter dem Einfluss von Klöstern wird die Zucht ab dem XVI. Jahrhundert strukturierter. Zwei Jahrhunderte werden englische Halbblüter zugeführt, zur gleichen Zeit wie die Cleveland Bays, die Doppeldecker und die Normannen Pferde. Gegen Ende des XIX. Jahrhunderts wird, um auf die Nachfrage nach besonders robusten Warmblütern zu antworten, mit Oldenburger Hengsten gekreuzt. Dies gibt mehr Substanz in das Rottaler Pferd
Mit Beginn der 1960er Jahre wurden mit Pferden anderer deutscher Zuchtgebiete, vor allem Hannoveraner und Westfalen, sowie Pferde aus Frankreich und den Niederlanden gekreuzt, um die Rittigkeit und das Springvermögen nachhaltig zu verbessern. Daneben wurden zur Veredlung auch Trakehner und Vollblüter eingesetzt, was die in ein modernes Sportpferd unterstützte.