Das kleine Pferde einmaleins der
Pferdefreunde Landshuter Hochzeit
Bei der Landshuter Hochzeit wird eine große Zahl von Pferden eingesetzt. Bei der Gruppe der Pferdefreunde kommen hauptsächlich Warm- und Kaltblutpferde als zum Einsatz. Für die Auswahl als Reitpferd oder als Gespannpferd vor den vielen historischen Wagen ist sehr wichtig, dass die Pferde über einen sehr ausgeglichenen Charakter verfügen und für die Aufgaben bei der Landshuter Hochzeit gut vorbereitet sind.
Zur Zeit werden folgende Rassen beider Landshuter Hochzeit eingesetzt:
Percheron
Der elegante Percheron, zählt zu den beliebtesten Kaltblutrassen. Das Ursprungsgebiet des Percheron ist die südwestlich von Paris gelegene Region Perche in der Normandie.
Percheron-Vorfahren haben schon die Ritter von Kart Martell getragen. Im Mittelalter wurden sie dann als Ritterpferd oft erwähnt.
Das Percheron-Kaltblut verfügt über einen sehr harmonischen und freundlichen Charakter. Seine Kaltblutherkunft verleiht ihm große Nervenstärke, weswegen es sich sehr gut für Festumzüge (z.B. Oktoberfest) eignet. Die Besonderheit dieser Rasse besteht darin, dass es auch über ein feuriges Temperament verfügt, was sich auf die Araber- und Berberanteile in seinem Blut zurückführen lässt.
Angeblich sollen schon im 8. Jahrhundert Einkreuzungen von orientalischen Pferden, in späterer Folge auch von Andalusiern erfolgt sein. Dadurch entwickelten sich verschiedene Zuchtlinien, die sich sehr von einander unterschieden. Selbst die schwersten Percherons (diese werden auch heute noch gezüchtet) besitzen freie, ausdrucksvolle Gangarten, welche sie zu äußerst beliebten und beeindruckenden Arbeitspferden machten
Percherons sind zugkräftig und arbeitswillig. Sie sind zwar lebhaft, aber doch gehorsam. Sie sind umgänglich und leicht zu handhaben. Selbst wenn es um große Zuglasten geht, sind sie geduldig und ausdauernd. Sie werden als Zugpferd und zum veredeln anderer Rassen genutzt.
Der stärkste Hengst der Welt war der Percheron Dr Le Gear. Er hatte ein Stockmass von 213cm und wog 1372 kg.
Allgemein erreichen Percherons ein Stockmaß zwischen 158 und 172 cm, bei einem Gewicht von rund 900 kg.
Die Rasse kommt ausschließlich in den Farben weiß und grau (Apfelschimmel) sowie schwarz vor.
Das Langhaar ist üppig, der Fesselbehang ist zwar dicht, aber nicht zu lang.
Noriker
Diese alte Pferderasse geht auf das römische Legionspferd in der Provinz Noricum zurück, die in etwa dem heutigen Staatsgebiet Österreich entsprach. Im Mittelalter war der Noriker ein begehrtes Ritterpferd. Er wird schon seit 400 Jahren in strenger Reinzucht und harter Selektion gehalten. 1574 wurden von Erzbischof Kuen die ersten Landbeschäler in den Pinzgau geschickt. 1688 traf Erzbischof Graf Thun umfangreiche Vorgaben, die die Norikerzucht stark beeinflussten.
Da der Noriker lange Zeit im Gebirge gezogen wurde, hat er sich wie kaum ein anderer Kaltblüter dem steilen Gelände angepasst. Aus diesem Grunde ist er in Mittel- und Südeuropa immer noch gefragt, wobei die Nachfrage sogar eine steigende Tendenz aufweist. In Deutschland wird der Noriker seit 1952 auch Süddeutsches Kaltblut genannt. Es gibt gegenwärtig ca. 9000 Noriker, davon sind 2700 als Hauptstammbuchstuten bei den einzelnen Zuchtverbänden eingetragen. Noriker werden als einzige Kaltblutrasse noch in einem geschlossenen Zuchtgebiet in rein bäuerlicher Landeszucht erhalten
Friesen
Das Mittelalter war eine Blütezeit für den Friesen. Durch seine kräftige, aber nicht zu große Statur war er als „Ritterpferd” (Streitross) prädestiniert.
Man darf nicht vergessen, dass ein Ritter mit Rüstung um die 250 kg gewogen hat!!
Außerdem wollte der Ritter mit seinem Ross ja auch repräsentieren. Das Friesenpferd wurde im 13. Jahrhundert auch in Deutschland auf den Märkten gehandelt. Dies ist in alten Schriften überliefert. Gezüchtet wurde der Friese zu dieser Zeit hauptsächlich von Mönchen. Da Friesland zu dieser Zeit zum Bistum Münster gehörte, war es nicht verwunderlich, dass diese Pferde auch in Deutschland verkauft wurden.
Im Mittelalter fand wahrscheinlich auch die erste Veredelung der Rasse statt. Zum einen wurden von den vielen Kreuzzügen etliche Pferde aus dem Mittelmeerraum mitgebracht, zum anderen darf man nicht außer Acht lassen, dass die Spanier die Niederlande während des 80-jährigen Krieges von 1568 bis 1648 besetzt hielten und ihre Spanischen Hengste mitbrachten. Da Spanien seinerseits im 8. Jahrhundert von den Mauren besetzt war, führten die Spanischen Hengste auch viel orientalisches Blut.
Der edle Kopf mit den ausdrucksstarken Augen und die erhabenen Bewegungen zeugen von der Einkreuzung der Spanischen Pferde.
Der Friese wurde jedoch nicht nur als Streitross eingesetzt, durch seine schwarze Farbe war er auch als „königliches Geschenk” auf den Fürstenhöfen in ganz Europa hochwillkommen. Im 16. Jahrhundert kam es an den Fürstenhäusern in Mode, edle Pferde zu züchten. Hier spielte auch das spanische Pferd eine große Rolle. Da es bei der Kriegführung nichts Neues gab, obwohl schon seit längerer Zeit das Schießpulver erfunden war, wurde der Friese auch weiterhin als Streitross eingesetzt.
Bayerisches Warmblut
Diese Rasse stammt aus dem Rottaler Pferd, eine sehr alte Rasse. Dieses Tal ist für die Vorzüglichkeit seines Bodens und für seine prächtigen Pferde wohlbekannt. Während der Epoche der Kreuzzüge war das Rottaler Pferd für militärische Zwecke hoch angesehen .Unter dem Einfluss von Klöstern wird die Zucht ab dem XVI. Jahrhundert strukturierter. Zwei Jahrhunderte werden englische Halbblüter zugeführt, zur gleichen Zeit wie die Cleveland Bays, die Doppeldecker und die Normannen Pferde. Gegen Ende des XIX. Jahrhunderts wird, um auf die Nachfrage nach besonders robusten Warmblütern zu antworten, mit Oldenburger Hengsten gekreuzt. Dies gibt mehr Substanz in das Rottaler Pferd
Mit Beginn der 1960er Jahre wurden mit Pferden anderer deutscher Zuchtgebiete, vor allem Hannoveraner und Westfalen, sowie Pferde aus Frankreich und den Niederlanden gekreuzt, um die Rittigkeit und das Springvermögen nachhaltig zu verbessern. Daneben wurden zur Veredlung auch Trakehner und Vollblüter eingesetzt, was die in ein modernes Sportpferd unterstützte.
Belgisches Kaltblut
Heute häufig Brabanter genannt, nach dem bedeutendsten belgischen Zuchtgebiet - Brabant oder im Mittelalter Flamländer Pferd/ Flämisches Pferd genannt.Das belgische Kaltblut ist eine der imposantesten und historisch bedeutendsten Pferderassen! Es hat eine lange Geschichte, ist nahe verwandt mit den Ardennern und beeinflusste auch die Entwicklung anderer bekannter, schwerer Rassen wie Rheinisch-Deutsches Kaltblut, aber auch Shire oder Clydesdale, sowie das italienische Kaltblut oder das irische Zugpferd. Durch gezielte Selektion und gelegentliche Inzucht ist es zu einem Pferd von hoher Qualität gezüchtet worden, dessen ausgezeichnete Eigenschaften über die Jahre hinweg erhalten blieben.
Das Belgische Kaltblut ist ein eindrucksvolles Pferd, das große Kraft mit einem sanften Wesen und Arbeitswilligkeit vereint. Es gilt außerdem als frühreif und leichtfuttrig.
Rassenmerkmale: Mächtiges Pferd, sehr schweres Arbeitspferd mit 165cm - 173cm Stockmaß. Meist Rotschimmel mit schwarzen Punkten, Füchse oder Rotfüchse, seltener Braune, Falben oder Schimmel.
Exterieur: Kleiner, ziemlich schlichter Kopf, aber die Augen haben den für viele schwere Pferderassen typischen freundlichen Ausdruck; kurzer, muskulöser Hals; massige Schulter; kurzer, tiefer, kompakter Rumpf; runde Kruppe; kraftvolle Hinterhand. Kurze, kräftige Gliedmaßen mit viel Behang, sowie wohlgeformte große Hufe.
Blutslinien: Gegen Ende des letzten Jahrunters gab es drei getrennte Blutslinien des Brabanters; die heute alle unter dem Oberbegriff Belgisches Kaltlbut oder Brabanter zusammengefast werden:
Die Gros-de-la Dentre-Linie, begründet von dem gefeierten Hengst Orange I. (vorwiegend Braune)
Die Gris-du-Hainaut-Linie, Nachfahren des Hengstes Bayard (Schimmel, Rotschimmel und Rotfüchse),
sowie die Colosses-de-la-Méhaigne-Linie, deren Stammhengst der braune Jean I. war.
Wissenswertes: Belgier sind für viele ältere Pferdeleute DIE Kaltblüter schlechthin. Man gebraucht das Wort oft als Sammelbegriff für sämtliche Kaltblutrassen, woraus sich schließen lässt, welch großen Einfluss die Rasse auch auf andere, vor allem deutsche Zuchten, ausübte.
Besonders im 19. Jahrhundert wurden viele der massigen Zugpferde in andere europäische Länder importiert.
Die Brabanter sind noch in vielen belgischen Regionen zu finden - wenn auch in bescheidener Zahl. Die speziell für die Landwirtschaft gezüchteten Tiere haben trotz allgemeiner Mechanisierung überlebt, auch wenn es heute nur noch wenig Bedarf für die extrem schweren Tiere gibt.
Auf Schauen oder als Arbeitspferde in Feilichtmuseen sind sie noch zu bewundern und finden mitunter auch vor dem Planwagen neue Aufgaben. Sie sind aber auch beliebte und sehr ansehnliche Brauereipferde, die man sogar in Nordamerika sehr schätzt.
Hannoveraner
Der Hannoveraner ist neben dem Trakehner das wohl bekannteste und erfolgreichste Warmblutpferd Deutschlands. Er ist für Springreiten und Dressur gleichermaßen einsetzbar. Das Pferd variiert sehr in Größe, Typ und Farbe; es gibt sehr große, schwere Gewichtsträger mit mächtiger Hinterhand, aber ebenso auch kleinere, leichtere Typen. Die Hannoveraner sind jedoch nicht sehr schnell. Ihr Erfolg beim Springreiten und in der Dressur auf höchstem Niveau ist dafür schon sprichwörtlich. Auch in Fahrprüfungen sind die Hannoveraner erfolgreich, noch bekannter aber sind sie als Dressurpferde.
Wie die meisten europäischen Rassepferde müssen sich auch die Hannoveraner einer strengen Zuchtauswahl unterziehen. Die Zucht geht hier zurück auf das große Schlachtroß des Mittelalters; die ersten Zuchtdaten stammen aus dem Jahr 1714, als Georg 1. von England, der gleichzeitig Kurfürst von Hannover war, Englisches Vollblut in die deutschen Gestüte brachte. Im Jahr 1735 gründete dann Georg II. das Gestüt in Celle mit der Absicht, daß die Hengste mit den Stuten der dort ansässigen Bauern gekreuzt werden. Zusätzlich wurde Holsteiner-, Neapolitaner- und Andalusier-Blut verwendet. Die Holsteiner waren etwa 30 Jahre lang dominierend, danach erst kam mehr Vollblut zum Einsatz, um ein leichtes Pferd zu erhalten, das sowohl für die Landwirtschaft geeignet war, aber auch im Geschirr und unter dem Sattel gehen konnte. Die Kriege Napoleons, die dem Pferdebestand Europas allgemein übel mitgespielt haben, wüteten auch im Gestüt von Celle, wo nur 30 von 100 Hengsten überlebten. Mit diesen Hengsten wurde dann Anfang des 19. Jahrhunderts die Zucht neu begonnen. Durch zuviel Vollblüter-Einfluß wurde das Pferd zeitweilig zu leicht, sodaß heute kaum mehr Englisches Vollblut verwendet wird.
Größe: zwischen 156cm und 175cm.
Farbe: alle einfarbigen möglich.
Kopf: nicht zu groß, trocken, ausdrucksvoll mit großem, lebhaftem Auge und ausgeprägten Backenknochen.
Hals: lang, edel, gut aufgesetzt.
Schultern: groß und schräg. Ausgeprägter Widerrist.
Gebäude: kräftig und tief.
Hinterhand: stark bemuskelt, mit gut aufgesetztem Schweif.
Gliedmaßen: bemuskelt. Große, ausgeprägte Gelenke und harte Hufe.
Aktion: elastisch und energisch, mit raumgreifenden Schritten, die aus der Schulter und den Gelenken kommen. Keine hohe Knieaktion.
PURA RAZA ESPAÑOLA
Den Namen PURA RAZA ESPAÑOLA gibt es seit Anfang dieses Jahrhunderts. Der im Volksmund oft gebräuchliche Name ANDALUSIER ist keine korrekte Rassebezeichnung und wird oft auch für Pferde ohne Abstammungsnachweis und nicht ganz rassereine Exemplare gebraucht.
Über die Entstehung des heutigen Typs des spanischen Pferdes gibt es unterschiedliche Theorien. Sicher ist, dass bereits 300 - 400 n.Chr. das spanische Pferd die gleichen morphologischen Grundzüge aufwies wie heute. Auch aus dem Mittelalter geben zahlreiche Gemälde und Reiterstandbilder deutliche Hinweise, wie das spanische Pferd zu dieser Zeit aussah. In den Rassen, die vor vielen hundert Jahren die heutige PURA RAZA ESPAÑOLA mitbegründeten, floß wahrscheinlich das Blut uralter Iberischer Pferderassen. Von einer Beteiligung arabischer Pferde bei der Konsolidierung der Rasse wird oft berichtet. Doch diese Theorie ist eher unwahrscheinlich. Die Mauren, die Spanien im 8 Jh. n. Chr. eroberten, waren kein Reiterheer. Die Anzahl der Pferde, die mitgeführt wurde, war verschwindend gering. Außerdem waren die Pferde, die mit den maurischen Eroberern nach Spanien kamen in der Regel keine Wüstenaraber, sondern Berber. Die Iberische Halbinsel war zu dieser Zeit viel pferdereicher als Nordafrika. So kam es, dass die Mauren zwar nur mit wenigen Pferden kamen, in kürzester Zeit aber wurde aus den Fußsoldaten ein Reiterheer.
Dafür, dass sich mit der Eroberung der spanischen Halbinsel durch die Mauren der Typ des spanischen Pferdes nicht maßgeblich verändert hat, spricht auch das Profil des antiken spanischen Pferdes, das bereits gerade oder subkonvex war. Viele berühmte Herrscher besaßen ein Pferd spanischer Herkunft, so z.B. schon in der Antike der römische Herrscher CALIGULA, später auch RICHARD LÖWENHERZ ebenso wie FRIEDRICH DER GROSSE UND NAPOLEON BONAPARTE. Im Mittelalter blühte die Zucht des spanischen Pferdes. Es war hochgeschätzt als Kriegspferd und an den europäischen Fürstenhöfen sehr begehrt. Die Kriegführung änderte sich, die schweren Rüstungen verschwanden immer mehr. Die massigen, unbeweglichen Pferde waren den leichteren, beweglichen spanischen Pferden unterlegen, die in ganz Europa in die wuchtigeren Landschläge eingekreuzt wurden. So waren spanische Pferde maßgeblich an der Entstehung von KLADRUBERN, LIPIZZANERN, FREDRICKSBORGER, NEAPOLITANERN, sowie den Süd- und Nordamerikanischen Pferderassen beteiligt. Auch an der Entstehung des Englischen Vollbluts hatten spanische Pferde ihren Anteil. Nach den Verzeichnissen des HERZOGS VON NEWCASTLE waren die berühmten "ROYAL MARES" in Spanien erworben worden. Es gab zu dieser Zeit viele adlige Familien, die der Pferdezucht nachgingen. Einen einheitlichen Typ gab es nicht, diese Familien züchteten nach eigenen Vorstellungen, ihr Familienname wurde zu einer Art Markenzeichen, unter dem diese Pferde bekannt wurden. Berühmte Namen aus dieser Zeit waren z.B. die VALENZUELAS, GUZMANES und die ZAMORANOS. Damals begann auch die Geschichte der CARTUJANOS, der berühmten Pferde der Karthäusermönche.
Hierro de la Cartuja - Der Glockenbrand der Karthäusermönche
Im 15. Jahrhundert förderte Don Alvaro Obertus de la Valeto die Karthäusermönche. Mit seinem Tod vererbte er im Jahre 1476 den Karthäusermönchen in Jerez de la Frontera etwa 40 km² Land, auf dem die Mönche ihre Zucht betreiben konnten, mit der sie sich schon vorher beschäftigt hatten. Neben Jerez züchteten die Mönche damals in Sevilla und später in Cazallo. Die Grundlage dieser Zucht bestand aus besonders ausgesuchten Exemplaren der zu diesem Zeitpunkt in Andalusien gezüchteten Pferde. Es wird davon berichtet, dass die Mönche von Jerez zu dieser Zeit die Zucht von Pedro Picado übernahmen, der seine Schulden bei den Mönchen nicht bezahlen konnte. Seine Zucht ging auf Pferde der Brüder Zamora aus Jerez zurück. Königliche Edikte im 17. Und 18. Jahrhundert bedeuteten fast den Untergang der Rasse. Unter französischer Herrschaft wurde auf Befehl Napoleons die Einkreuzung größerer und schwerer Pferde fast in ganz Spanien durchgesetzt. Die Karhäusermönche weigerten sich jedoch strikt, den Befehlen zu gehorchen. Sie brachten ihre Pferde in Sicherheit, um mit ihnen rein weiterzuzüchten. Nur ihrer Sturheit und ihrer Findigkeit ist es zu verdanken, dass diese Pferderasse über Jahrhunderte bis heute erhalten blieb. Anfang des 19. Jahrhunderts mussten die Karthäusermönche ihren gesamten Pferdebestand abgeben. Den wesentlichen Teil der Pferde übernahm der Pater D. Pedro Jose Zapata y Caro, der Gründer des Krankenhauses von Arcos de la Frontera. Das war die Geburtsstunde des berühmten Kandarenbrandes, der bis heute existiert. Die Zapatas waren meist Braune oder Rappen. Zu dieser Zeit wurden auch viele Zapatas nach Portugal verkauft, die unter Anderem die Grundlage des berühmten Gestüts Alter Real wurden.1854 wurde das gesamte Gestüt Zapata verkauft. Es wurde zum größten Teil von dem bereits erwähnten Vincente Romero Garcia übernommen, der auch den Brand weiterführte. Er fügte er dem Kandarenbrand noch ein C hinzu. Seit diesem Zeitpunkt existieren 2 Kandarenbrände, der ohne und der mit dem C.
Besitzer dieser Brände waren im Laufe der Jahre: Hermanos Dominguez, Francisco Chica, Juan P. Domecq, Roberto Osborne, Fernando C. de Terry, Isabell Merello Viuda de Terry, Rumasa S.A. und heute die staatliche Gesellschaft Expasa. Der Kandarenbrand wird immer mit dem Namen TERRY in Verbindung gebracht, doch wie man sieht, hat dieser Brand seine eigene Geschichte. Fernando C. de Terry hatte den Brand 1949 erworben, verstarb aber bereits 1952. In der Folgezeit besaß seine Witwe den Brand bis 1981. Danach übernahm die Holding RUMASA S.A. das Gestüt. Nach dem Konkurs der RUMASA S.A. stand das Gestüt einige Jahre zum Verkauf. Erst 1990 entschloss man sich, eine staatliche Gesellschaft, die EXPASA zu gründen, die das Gestüt und den Brand übernahm. Nach Jahren des Niedergangs versucht man heute unter wissenschaftlicher Leitung dem Gestüt neuen Glanz zu verleihen. Nachdem Jahrzehnte lang die Pferde der Familie TERRY als die Besten Spaniens galten, hat sich das heute geändert. Es gibt heute andere berühmte Zuchten, deren Zuchttiere lückenlos auf Pferde mit dem Kandarenbrand zurückgehen und die mit viel Erfolg die alte Tradition der Zucht des reinen CARTUJANOS fortsetzen. Die berühmtesten CARTUJANO - Gestüte sind heute JUAN MANUEL DE URQUIJO (CONDE DE ODIEL), J. GOMEZ- CUETARA, MARQUES DE SALVATIERRA, LAS LUMBRERAS und langsam wieder das Gestüt mit dem Kandarenbrand "HlERRO DEL BOCADO" der staatlichen Gesellschaft EXPASA. Andere Zuchten haben mit großem Erfolg auf die alten Karthäuser aufgebaut, die Namen der Gestüte sind heute schon Markenzeichen geworden. Dazu gehören besonders MIGUEL ANGEL + PEDRO DE CARDENAS, ESCALERA, LOVERA, GUARDIOLA, LAZO DIAZ, ROMERO BENITEZ und die YEGUADA MILITAR. Die Pferde dieser Gestüte und die der CARTUJANO Zuchtstätten unterscheiden sich durchaus, obwohl alle PURA RAZA ESPAÑOLA sind. Die CARTUJANOS entsprechen dem Typ des alten Barockpferdes, während andere Züchter versuchen, ein leichteres europäisches Sportpferd zu züchten. Solange das in einem gewissen Rahmen geschieht, ist gegen eine gewisse Variationsbreite innerhalb der Rasse sicher nichts einzuwenden. Sollte jedoch der besondere Typ des Spanischen Pferdes verloren gehen, hätte man sich selbst einen Bärendienst erwiesen. So sollten gerade die rassetypischen Eigenheiten der Bewegungen des spanischen Pferdes erhalten bleiben, die zu einem ganz erheblichen Teil ihre Ausstrahlung ausmachen.
Trakehner
Der Trakehner, früher auch Ostpreußisches Warmblut genannt, ist wohl eines der elegantesten und edelsten Warmblutpferd Deutschlands. Es ist ein qualifiziertes Reitpferd mit dem edlen Kopf eines Vollblüters und dazu wunderschönen Gängen. Zudem ist es bekannt für seine Intelligenz, seinen Arbeitswillen, seiner Ausdauer und Stamina. Im Vergleich zum Hannoveraner ist der Trakehner leichter gebaut.Wie zu erwarten, zeigte der Trakehner immer schon ein großes Talent für Dressur, Military und Springreiten. So ist er ein Pferd, welches man nahezu überall im Pferdesport einsetzen kann. Er ist ein ebenso elegantes Reitpferd für den Amateurreiter wie ein ausdauerndes und genügsames Sportpferd für den Profireiter, welches auch höchsten Turnieransprüchen gerecht wird. Dabei kann der Trakehner sehr temperamentvoll sein, gelegentlich sogar als recht eigenwillig bezeichnet werden.
Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm der 1. beschloß zu Beginn des 18.Jahrhunderts ein Gestüt in Trakehnen im nordwestlichen Teil Ostpreußen zu gründen. Er setzte dafür 600 Soldaten ein, die das dortige Sumpfgebiet entwässern mußten. Nach sechs Jahren war diese Arbeit fertig und aus dem unbrauchbaren Land war nun bestes Weideland geworden, vermischt mit Kalk und Phosphor, welches den Pferden ihr hartes Knochengerüst gab.
Friedrich Wilhelm der 1. sorgte auch dafür, daß ausgewählte Tiere von anderen königlichen Ställen nach Trakehnen gebracht wurden sowie auch einige Schweiken, die eigentlichen bodenständigen Pferde Ostpreußens. Dazu kamen vor allem Englische Vollblüter und einige Top-Araber, die er aus Polen einführte. Damit begründete er 1732 die Pferdezucht in Trakehnen.
Auch der Sohn von Königs., Friedrich der Große, hatte ganz besonderes Interesse an diesen Pferden, jedoch wurde nach seinem Tod 1786 das Gestüt vom Staat übernommen, welcher dann vor allem Pferde für die Kavallerie züchtete. Das Gestüt überlebte viele Kriege, erlitt dabei jedoch große Verluste. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden dann auch viele Trakehner außerhalb des Gestüts gezüchtet. Es gab insgesamt 15.000 private Züchter mit ca. 25.000 Pferden.
Der Zweite Weltkrieg dann wirkte sich auf die Zucht verheerend aus. Als es dem Ende entgegenging und die Rote Armee den Zuchtstätten in Ostpreußen immer näher kam, nahmen die verzweifelten Züchter ihre Pferde, beluden sie und eventuell vorhandene Wagen mit ihrer Habe und ritten oder fuhren nach Westen in die heutige Bundesrepublik Deutschland. Von den ehemals vielen tausend Trakehnern kamen nur etwa 1.200 in Deutschland an. Sehr bald jedoch fand ein Wiederaufbau der Zucht unter der Schirmherrschaft des Trakehner Verbandes statt.
Größe: zwischen 160cm und 165cm.
Farbe: alle einfarbigen.
Kopf: edel. Große, intelligente Augen, kleines Maul.
Hals: elegant und sich nach oben verjüngend.
Schultern: schräg.
Gebäude: mittellang, kräftig, schöner Rippenbogen.
Hinterhand: rund, bemuskelt.
Gliedmaßen: hart, mit kurzen Röhren und ausgezeichneten Hufen.
Aktion: gerade, frei und vorwärtsstrebend.